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Erik - l´état, c´est moi! ?

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Moderator: Operaghost

Erik - l´état, c´est moi! ?

Beitragvon la mort-aux-rats » 08.12.2006, 01:02

Hmm, ich habe eben noch einmal den 20.000 Francs-Thread gelesen und darin ist ja schon erwähnt, dass Rémy 2400 Francs Jahreslohn bekommt, während sich Erik 20.000 Francs im Monat einstreicht. Dies hat mich gerade sehr stark an meinen Geschichtsunterricht zum Thema Französische Revolution erinnert und all das, was das französische Volk damals damit "abschaffen" wollte - u.a. auch die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung, während sich der Adel mit Nichtstun eine goldene Nase "verdient" und Geld zum Fenster rauswirft.

Leroux ist Franzose - er wird immer wieder an die grandiose, heldenhafte Revolution in seinem Geschichtsunterricht erinnert worden sein. Stattet er Erik deshalb mit so einem ungeheuren Finanzetat aus, weil er diese "Unterdrückungsschiene" so gut aus dem Modell "Französische Revolution" kennt? Es macht bei Leroux wirklich keinen Sinn, warum Erik SOOOOO viel Geld bekommen soll - das sind anscheinend Summen, die er sowieso nicht ausgeben kann (oder nur in dekadenter Form). Das ist dasselbe Schema was durch die Revolution bekämpft wurde... Kann man Leroux nicht auch so lesen, dass Erik als kleiner tyrannischer Herrscher in seiner Oper sitzt und sozusagen alles aufdiktiert, auch wenn es total ungerechtfertigt ist, wie horrende Summen für Nichtstun? Und wenn er was tut, dann terrorisiert er die Oper? Hat sich Erik nicht durch seine Herrschaft über die Oper einen kleinen "Staat" für sich geschaffen? (Ich meine, Leroux schreibt sogar mal an einer Stelle, dass die Oper eigene Gesetze hat und quasi wie ein Kleinstaat funktioniert.)
Überzeichnet Leroux Erik vielleicht ein wenig wie eine Art kleiner König der Oper, der sozusagen dem "Sonnenkönig" Louis XIV. nacheifert und sagt: "L´état, c´est moi!" (Der Staat bin ich!)? Wäre durchaus denkbar.

Spannenderweise bekämpft hier aber gerade im Mikrokosmos Opéra Garnier der ADEL in Form von Raoul die Machenschaften des Phantoms... Witzige Konstellation. Aber Erik als kleiner Terror-Herrscher hat schon was... :-D
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Beitragvon P.C. » 08.12.2006, 12:09

Das ist richtig, Leroux vergleicht die Oper nach dem Motto "Die Bretter, die die Welt bedeuten, mit einem Staat und Christine als Königin der Oberwelt und Erik als Herrscher der Unterwelt. Aber ihm daher symbolisch so eine Menge Geld "zu zuschieben"? Ich kann mich mit diesem Gedanken nicht recht anfreunden. L!-Erik ist für mich nicht mit dem Sonnenkönig vergleichbar, er ist eigentlich nicht diese Figur, die Wert auf protziges Außeres legt - vielleicht könnte man das eher auf K!-Erik projezieren, der sich gern ausgefallene Dinge leistet. L!-Erik ist ihm gegenüber eher bescheiden und nutzt vielmehr seine Macht aus dem Verstecktsein heraus.
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Beitragvon la mort-aux-rats » 08.12.2006, 12:14

Das weiß ich eben nicht genau, ob L!Erik so bescheiden ist. Vielleicht schreibt Leroux nur nicht darüber, WOFÜR er das Geld ausgibt, aber es BRAUCHT es laut Perser - und ich meinte auch nicht, dass L!Erik sich einen Aufzug leistet wie ein Sonnenkönig oder gar seine Eitelkeit an den Tag legt, sondern einfach, dass er sich wie ein kleiner absolutistischer Herrscher benimmt, der auch noch (unnötigerweise) eine Menge Geld verschlingt.
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Beitragvon P.C. » 08.12.2006, 12:29

Ja, ist ja richtig, lt. Leroux braucht er das Geld und wofür schreibt er halt nicht. Aber irgentwie denke ich es mir wahrscheinlicher, daß Erik sich was Verrücktes ausgedacht hat (eine Konstruktion von was auch immer, vielleicht), um darin, damit (...?) mit Christine zu leben. Das mit der Eitelkeit ist aber eine Sache, die mir erst seit der Lektüre von Kay in den Kopf gekommen ist - und es fällt mir schwer, das wieder heraus zu bekommen.
Man kann sicher sein Auftreten mit "absolutistisch" bezeichnen, weil er sehr dominant und auch besitzergreifend reagiert und vorgeht. Aber auf der anderen Seite interessieren ihn seine "Untergeben" nur dann, wenn er unmittelbar mit ihnen zu tun hat, oder sie ihm in den Weg treten. Sonst verhält er sich eher scheu und läuft sofort weg, wenn er jemandem begegnet. So wirklich präsentiert er sich den vielen Menschen in der Oper nicht, wie das ein Herrscher tun würde. Diese erzählen sich nur Storys und Vorkommnisse und freuen sich heimlich am Gruseln über ein Gespenst, das sie nicht kennen.
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Beitragvon la mort-aux-rats » 06.07.2007, 16:51

Abgesehen von dem Geld (ich meine, wir haben mittlerweile auch einen gesonderten 20.000 Francs-Thread) finde ich Erik nach wie vor sehr absolutistisch - er mischt sich ja sogar in Besetzungsfragen ein - und wer ihm nicht passt, der wird gekillt (Buquet) oder sonstwie terrorisiert. Er macht sogar ein kleines Schaulaufen (als Roter Tod auf dem Maskenball), da trägt er auch einen Umhang mit Schleppe. Vielleicht wäre Erik tatsächlich gern ein kleiner König in der Opéra. ;-)
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Beitragvon sashayesha » 06.07.2007, 19:26

Erik, der Usurpator. Ich denke mal, das ist das einzige Auftreten, mit der er sich an der Oper Geltung verschaffen kann. Hin und wieder mal einen netten Hinweis hinterlassen, davon kann sich ein Mann nicht ernähren, auch wenn er noch so wenig isst.
Ich denke mir, Erik kompensiert damit auch all den emotionalen Mangel und vor allem den Mangel an (ihm entgegengebrachten) Respekt, der sein Leben immer gekennzeichnet hat.
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Re: Erik - l´état, c´est moi! ?

Beitragvon la mort-aux-rats » 02.04.2014, 16:23

Ich muss mal eben diesen Thread hervorkramen. Angesichts der Lerouxschen Liebe zur Geschichte Frankreichs stelle ich mir so einen kleinen Seitenhieb, dass Erik wie ein kleiner politischer Alleinherrscher unter der Oper hockt, schon wieder realistischer vor. Auch wenn Leroux mal wieder alles verdreht: Erik sitzt halt nicht auf einem Thron "über" der Oper, sondern in einem Versteck am See "unter" der Oper :-D. Die Oper wird quasi durch die Unterwelt regiert ;-).
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